Was erwartet uns nach dem Tag X? (E. Wolff)

Die Finanzwelt eilt von einem Extrem zum nächsten. Die Zahl der Superlative auf dem Finanzsektor nimmt fast täglich zu. Die Frage, ob der nächste Crash bei derartiger Überhitzung noch aufzuhalten ist, beantwortet die Geschichte.foxxblog geld l

 


March 29, 2016 von Ernst Wolff  in der-klare-blick.com

Die Zahl der Superlative auf dem Finanzsektor nimmt fast täglich zu. Ob es um die Stände an Aktien-, Anleihen- oder Immobilienmärkte geht, die Höhe der globalen Staatsverschuldung, die Menge künstlich geschaffenen Geldes oder das inzwischen unter Null gedrückte Niveau von Niedrigzinsen – die Finanzwelt eilt von einem Extrem zum nächsten. Wie sich Regierungen und IWF auf den kommenden Crash vorbereiten!

 

Inhalt

Der Siegeszug des Neoliberalismus.

Die Aufgaben der Politik

Vom Bail-out zum Bail-in

Sonderziehungsrechte des IWF als künstliche Weltwährung

Aufschub statt Problemlösung.

Problemlösung? (HF).

Der Krieg als ultimatives Mittel!.

Sozialismus, Soziale Marktwirtschaft, Raubtierkapitalismus.

Die Welt hat bereits mehrmals (zuletzt 1998 und 2008) am Rande des Finanzkollapses gestanden. Jedes Mal haben Politiker versprochen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Finanzindustrie in ihre Schranken zu weisen. Jedes Mal haben sie nicht nur ihr Wort gebrochen, sondern anschließend sogar mitgeholfen, die Entwicklung weiter voranzutreiben und die Welt auf direktem Weg in den nächsten Zusammenbruch zu treiben.

Der Siegeszug des Neoliberalismus

Auch wenn niemand voraussagen kann, wann es zum nächsten Crash kommt, steht doch eines fest: Die Politik wird ihn nicht aufhalten. Sie könnte das auch gar nicht, denn spätestens seit der Jahrtausendwende wird der Lauf der Dinge nicht mehr der Realwirtschaft in Zusammenarbeit mit der Politik, sondern allein von den Interessen der Finanzindustrie bestimmt (u.a. auch durch die Institution IWF, Weltbank).

Hintergrund ist der Siegeszug des Neoliberalismus, der in den Siebziger Jahren Einzug in die globale Politik gehalten und sie in den Neunziger Jahren vollständig unter seine Kontrolle gebracht hat. Die Liberalisierung der Kapitalmärkte, die Deregulierung des Finanzsystems und die Privatisierung ehemals staatlicher Wirtschaftsbereiche haben dafür gesorgt, dass sich der Finanzsektor, früher ein wichtiger Teil der Realwirtschaft, von ihr abkoppeln konnte und mittlerweile ein unkontrolliertes Eigenleben führt, das allgemein unter dem Namen „die Finanzmärkte“ bekannt ist.

Diese Finanzmärkte, inzwischen sieben bis acht Mal so groß wie die Realwirtschaft, werden von einer winzigen Gruppe von ca. 2.500 Milliardären beherrscht. Während sie als Investoren von Hedgefonds, Banken, Versicherungen und transnationalen Konzernen bis auf wenige Ausnahmen im Verborgenen bleiben, sorgen hochbezahlte Manager dafür, dass ihr Vermögen unablässig wächst.

Die Aufgaben der Politik

Politikern fallen in diesem Szenario drei Rollen zu: Die erste ist die des Vermittlers, der der Bevölkerung die Maßnahmen, die der Finanzelite nützen und den Menschen schaden, als notwendig und unumgänglich zu verkaufen hat – der zum Beispiel arbeitslosen Jugendlichen und am Existenzminimum lebenden Rentnern klarmachen muss, dass es zu ihrem Vorteil ist, wenn sie die Gürtel zugunsten der Staatsfinanzen enger schnallen, während milliardenschwere Spekulanten ihre Gewinne unbehelligt in Offshore-Steuerparadiesen horten.

Die zweite Aufgabe der Politik besteht darin, alle rechtlichen und gesellschaftlichen Hindernisse, die den Interessen der Finanzelite entgegenstehen, aus dem Weg zu räumen. Meilensteine dieser Entwicklung waren u.a. die Abschaffung des Trennbankensystems (es schützte Einleger, indem es hochriskante Geschäfte mit ihren Geldern verbot), die Rettung bankrotter Banken mit Hilfe öffentlicher Geldern und die Nicht-Verfolgung krimineller Banker und Spekulanten.

Die dritte – und seit einiger Zeit vordringlichste – Aufgabe der Politik ist es, ein Instrumentarium zu schaffen, mit dem auch die Kosten der nächsten Krise soweit wie irgend möglich auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt werden können. Zu diesem Zweck sind nach 2008 Austeritätsprogramme geschaffen worden, mit denen Renten und Mindestlöhne gesenkt, der Arbeitsmarkt „flexibilisiert“, Steuern erhöht und staatliche Bedienstete zu Hunderttausenden entlassen worden sind. Mit welcher Härte hierbei vorgegangen wurde, zeigt das Beispiel Griechenlands, wo nach sechs Austeritätsrunden jeder zweite Jugendliche ohne Arbeit ist und eine Million Rentner seit über einem Jahr von weniger als 500 Euro im Monat leben müssen.

Vom Bail-out zum Bail-in

Ein zweites Instrument ist der unter dem Vorwand, die Banken seien „too big to fail“, geschaffene Bail-Out – die Rettung privater Banken mit öffentlichen Geldern. Da Bail-outs aber riesige Löcher in die Staatshaushalte gerissen haben und angesichts des zu erwartenden Finanzbedarfs im Fall des kommenden Crashs nicht ausreichen werden, haben Politiker die vergangenen zwei Jahre genutzt, um ein 2012 vom IWF vorgeschlagenes neues Instrument gesetzlich zu verankern: den Bail-in. Dieses bereits auf Zypern erfolgreich erprobte Mittel bedeutet nichts anderes, als dass im Fall des Crashs die Bankkonten von Einlegern und Sparern ab einer (vorerst auf 100.000 Euro) festgelegten Höhe eingefroren werden, um diese im Bedarfsfall zur Deckung der Verluste der jeweiligen Bank einzusetzen. War der Bail-out bereits eine umfassende Vermögensumschichtung von der arbeitenden und steuerzahlenden Bevölkerung zu den steuerbegünstigten Ultrareichen, so handelt es sich beim Bail-in um nichts anderes als den juristisch abgesicherten Zugriff des Staates auf die Konten seiner Bürger.

Sollte selbst diese Lösung nicht ausreichen (weil möglicherweise zu viele Anleger ihr Geld rechtzeitig von der Bank abheben), hat der IWF bereits gedanklich vorgesorgt: In seiner Publikation „Taxing Times“ („Zeit für Steuern“) vom Oktober 2013 schlägt die mächtigste Finanzorganisation der Welt (IWF) eine „einmalige Vermögensabgabe – eine einmalige Steuer auf Privatvermögen“ vor – ein Generalangriff vor allem auf die Mittelschicht, die ihre Vermögen nicht wie die Ultrareichen in Stiftungen oder Steuerparadiesen verstecken und so dem Zugriff des Staates entziehen kann.

Damit nicht genug. Um den Betroffenen jede Möglichkeit zu nehmen, sich vor einer Enteignung durch Bail-in oder einmalige Vermögensabgabe zu schützen, arbeiten Politik und Mainstream-Medien derzeit mit Hochdruck daran, die Bevölkerung auf eine weitere – überaus wichtige – Maßnahme einzustimmen: Die Abschaffung des Bargeldes. Unter dem Vorwand, „Transparenz“ zu schaffen, Finanztransaktionen zu erleichtern und Geldwäsche zu verhindern, wird den Menschen eingeredet, dass es in ihrem Sinne wäre, auf die Zahlung mit Bargeld zu verzichten. Wahre Absicht ist einzig und allein, dem Staat auf diese Weise Zugriff auf das gesamte Vermögen der arbeitenden und steuerzahlenden Bevölkerung zu verschaffen, damit er diese im Falle eines Crashs in angemessener Höhe enteignen kann.

Sonderziehungsrechte des IWF als künstliche Weltwährung

Sollte auch das nicht ausreichen, steht den Zentralbanken in Zukunft ein bereits in der jüngeren Vergangenheit exzessiv angewandtes weiteres Mittel zur Verfügung: das Drucken von Geld. Seit der Krise von 2008 sind bereits Billionen von US-Dollar, Yen (schon seit 2001) und Euro aus dem Nichts geschaffen und der Finanzelite zu Nahe-Null-Zinsen zur Aufhellung von Bilanzen und zur Spekulation an den Finanzmärkten zur Verfügung gestellt worden. Weil sich die daraus resultierende Inflation im Wesentlichen an den Anleihen-, Aktien- und immobilienmärkten und nur zu einem geringen Teil in der Realwirtschaft niedergeschlagen hat, ist die schleichende Enteignung (und um nichts anderes handelt es sich beim Drucken von Geld) den meisten Menschen bisher entgangen.

Das wird aber nicht auf Dauer so bleiben, aber auch für diesen Fall werden bereits Vorkehrungen getroffen: Mit der für den Oktober geplanten Aufnahme des chinesischen Yuan in den Korb seiner Sonderziehungsrechte (SZR) bereitet der IWF sich darauf vor, im Extremfall mit seiner eigenen Währung ins internationale Geschehen einzugreifen. Es wäre nicht das erste Mal: Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat der IWF nach zwei Eingriffen zu Beginn und zu Ende der Siebziger im Jahr 2009 mit umgerechnet etwa $ 300 Mrd. maßgeblich zur Stabilisierung des globalen Finanzsystems beigetragen.

Da SZR (IWF) nicht als Geld in Umlauf gebracht, sondern nur als Zahlungsmittel zwischen Staaten gehandelt werden, brächten sie im Krisenfall zwei große Vorteile für die beteiligten Regierungen mit sich: Ihr Einsatz würde von der Öffentlichkeit kaum bemerkt werden und die inflationären Folgen des Gelddruckens würden sich erst mit Verzögerung und dann gleichzeitig auf alle fünf im Währungskorb beteiligten Währungen auswirken. Das wiederum würde die schleichende Enteignung der Bürger nicht wie das Ergebnis der Politik einer Regierung, sondern – zur Freude der Finanzindustrie – wie ein alle und jeden betreffendes Naturereignis erscheinen lassen.

Aufschub statt Problemlösung

Wie man sieht, gehen Regierungen und IWF den bevorstehenden Turbulenzen keineswegs unvorbereitet entgegen, sondern wappnen sich unter Hochdruck auf die kommenden Ereignisse. Dabei ist sämtlichen Maßnahmen – vom Bail-in über die Vermögensabgabe und die Abschaffung von Bargeld bis hin zur Schaffung einer künstlichen Weltwährung – eines gemeinsam: Sie lösen keines der Grundprobleme unserer Zeit, sondern dienen ausschließlich dazu, Zeit zu gewinnen und ein System am Leben zu erhalten, das die Interessen einer winzigen Elite bedient, den Lebensstandard der überwiegenden Mehrheit auf Dauer senkt und die Welt damit ungleicher, ungerechter und unsozialer macht.

Problemlösung? (HF)

Wollen sie das denn überhaupt, unsere Machteliten, unsere Polit-Regenten, die heimlichen Herrscher? No! Je länger die Unsicherheit fortdauert, umso besser. Im Trüben ist gut fischen!

  1. Das Grundproblem ist das betrügerische Geldsystem. Das möchten sie gerne erhalten, auch und insbesondere bei einem Neustart. Also wird auch nix vorbereitet (öffentlich sichtbar). Es erscheint für jedermann „alternativlos“!
    Sollte es krachen, wird es einfach neu aufgesetzt.
  2. Noch nie haben sie so viel verdient, gerafft, wie in diesen unsicheren (und für sie politisch abgesicherten) Zeiten, den letzten 20 Jahren. Die Vermögenskonzentration bei einer Handvoll Milliardären liegt schon bei 50% aller weltweit raffbaren Vermögenswerte.
    1. Und es gibt noch so viel mehr zu raffen: Gerade nehmen sie uns Deutschen die Autobahnen, Straßen, Schulen und Kindergärten ab: ÖPP Öffentlich Private Partnerschaften mit Grundgesetzänderung – alles rechtens!
    2. Die Sozialversicherungen in öffentlicher Hand – ein Leckerbissen für die Finanzindustrie! Neoliberales Traumland!
    3. Die Wasserversorgung weltweit – ein Riesengeschäft. Da ist gut abzocken!
    4. Fruchtbares (und rares) Ackerland – her damit! Ukraine, Russland, Afrika locken. Kaufen, raffen, mit der Gelddruckmaschine.
    5. Dieses „soziale“ Europa soll mehr privatisieren – siehe Griechenland. Da gibt es noch viel zu holen.

Und gerade darum geht es, um Aufschub! Denn in dieser unsicheren Zwischenzeit haben sich seit jeher die besten Zugewinnmöglichkeiten ergeben.

Der Krieg als ultimatives Mittel!

Und nicht vergessen – sie/(WIR!) haben noch einen Krieg zu führen. Europa gegen Russland – finanziert durch die globale Finanzmafia hauptsächlich mit der Gelddruckmaschine. Und mit Schulden, wenn es denn noch möglich ist (wir in Deutschland sind ja „erst“ bei 80%!).

Hinterher ist alles/vieles zerstört, entwertet und kann billig übernommen werden. Das Raub- & Übernahmegeschäft schreit ja förmlich danach. Beispiel: Syrien – die Perle am Mittelmeer! Zerstören, entvölkern (Flüchtlingsströme nach Europa!), später Wiederaufbau! Im Hintergrund wartet Israel, um zum Nahost regional-Hegemon aufzusteigen.

Vorher aber: Das Rüstungsgeschäft als Riesen-Konjunkturprogramm zur Kriegsvorbereitung weltweit. Das hält das sinkende Schiff noch über Wasser. Europa, Japan, Südkorea (und zwangsläufig Nordkorea!), Russland & China, Israel – alle sollen/wollen rüsten. Womit? Na, mit Schulden, wie denn sonst? Mr. Trump macht’s möglich – natürlich „America First“!

Das Krieg aber aus der Sackgasse führt in der wir wirtschaftlich, finanziell, sozial (Armut/Reichtum) stecken, das glaubt ja wohl keiner, oder? Nur die NWO Krieger wähnen sich auf dem „rechten Weg“ – wenn sie sich da man nicht täuschen! Denn ihre leichtfertigen atomaren Kriegsspiele könnten sehr schnell auch ihre Haut (und die ihrer Nachkommen) mit rösten – radioaktiv!

Sozialismus, Soziale Marktwirtschaft, Raubtierkapitalismus

  • Sozialismus – der Ruf ist dahin, ruiniert! Russland & DDR lassen grüßen!
  • Europa, Deutschland diskreditiert gerade die Soziale Marktwirtschaft als einigermaßen aussichtsreiches Wirtschaftsmodell
  • Der Raubtierkapitalismus ist das herrschende Wirtschaftssystem und es gibt keine Anzeichen, dass es „menschlicher“ wird.

Das westliche Wirtschaftsmodell der Eigentumswirtschaft, mit passendem Rechtssystem, mit Legislative & Exekutive, dass die Beleihung von Eigentum „erfand“ und damit die Schuldenwirtschaft einläutete – es brachte ungeahnte und schnelle Erfolge. Und es geriet außer Kontrolle. Der Geist war aus der Flasche – jetzt bedroht er uns.

Genauso wie

  • die „unsichtbare Hand des Marktes“ nicht alles regelt,
  • das Geldsystem nicht ohne strenge, unabhängige Aufsicht auskommt,
  • die Finanzindustrie in Schach gehalten werden muss,
  • die Monster Multinationalen Konzerne Aufsicht brauchen,
  • die abgehobenen Politiker „geerdet“ sein müssen,

so sind wir weiteren neoliberalen „Idealen“ anheimgefallen, die uns in dieses böse Abseits geführt haben. Und es scheint keinen Weg zu geben, da raus zu finden …

Ernst Wolff ist freiberuflicher Journalist und Autor des Buches „Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“,
erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.

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