BLACKOUT - Morgen ist es zu spät - Roman von Marc Elsberg, Blanvalet Taschenbuch Verlag (2013)


Die Nautilus“ (Jule Verne, 1875) zeigte uns in grauer Vorzeit, wie wir die Unterwasserwelt erschließen und gegen die Obrigkeiten vorgehen. Orwells „1984“ erschien uns später als so richtig utopisch – geradezu unwahrscheinlich, dass Staaten ihre Bürger so lückenlos überwachen. Inzwischen haben wir diese Horror-Visionen längst überholt. „Der Schwarm“ (F. Schätzing) utopisierte, dass eine ganz andere Lebensform aus der Tiefsee gegen uns Front macht. Ziemlich derbe, aber damit kann der Autor die Zerstörung der Meere und deren Lebensformen wenigsten wirkungsvoll einem breiten Leserkreis transparent machen. BLACKOUT zeigt, wie das Licht ausgeht!



Und jetzt BLACKOUT,  eigentlich nur scheinbar utopisch. Der Zusammenbruch der hochkomplexen Zivilisation, wenn mal die Stromnetze in Europa gezielt „gestört“ werden. Und dass unsere Stromnetze von unseren Politikern leichtfertig privatisiert wurden und dann – oh Wunder – so langsam aber sicher verkommen, anfällig werden, das ist ja nicht nur Eingeweihten bekannt. Profit zählt bei den Energie-Multis, nicht immer Sicherheit.

In kurzen Erlebnisschnitzeln, ganz dem Stil unserer Blitzwelt angepasst, spinnt der Autor seine Handlungen. Hacker, Journalisten, Manager von Energieriesen, Politiker und ganz normale „Betroffene“ – alles dabei – sogar ein wenig lovestory. Mit im Mittelpunkt – ein italienischer, arbeitsloser IT Fachmann, der gute Kenntnisse aus der Hacker Szene mitbringt, der sich ganz gut mit den praktischen Techniken und Werkzeugen des Hacking auskennt. Solche Kenntnisse sind in den Behörden rar und natürlich auch richtig suspekt. Kommt uns bekannt vor, oder?

Und dann die Welt der Ämter! Die EU mit ihren Behörden, Italien und Deutschland als Nationalstaaten mit ihren diversen Ministerien, Geheimdiensten, Kriminalämtern bis rauf zum Bundeskanzler und seinem Krisenstab. Sie alle wurden von den angeblichen „Terroristen“ vorher ausgekundschaftet, angezapft und abgehört. Genau dieselben Methoden, die NSA, BND, CIA & Co – also staatliche Einrichtungen - gegen uns, „ihre“ Bürger, anwenden.

Klar, auch die Atomkraft darf nicht fehlen, die Meiler sind ja stark vom Strom abhängig. Notstromaggregate funktionieren nur manchmal und auch nur begrenzte Zeit. Nur ansatzweise beschreibt der Autor die wirklich katastrophalen Folgen, wenn hier im dicht besiedelten Europa einer dieser „Atomeier“ hochgeht. Zu gruselig sind die Folgen ...

Was lernen wir?

Wir verlieren mehr und mehr die Kontrolle über unsere hochkomplexen Zivilisationen. Und wir bekommen ein Beispiel, wie der Staatsterror über seine Bürger (NSA & Co, Entreicherung der abhängig Beschäftigten, Transfer der öffentlichen Steuermilliarden in die mafiöse Finanzwelt) auch mit gleicher Münze - mit subversivem Terror – beantwortet werden könnte. Der Bürger leidet unter beidem – Staatsterror und “Gegenterror“ – beides sollte doch besser vermieden werden, oder?


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