Gunnar Heinsohn, 2003, erschienen bei Orell Füssli, Zürich


Wahrlich einer unser großen zeitgenössischen Denker: Gunnar Heinsohn, früher Professor in Bremen, ein rares Multitalent. Historiker, Ökonom, Soziologe – diese Disziplinen lassen ihn über den Tellerrand hinwegblicken, Erkenntnisse miteinander kombinieren. So lässt sich der Eroberungsdrang der Europäer im Mittelalter – historisch lange ein Rätsel - beschämend einfach erklären: YouthBulge!
Und auch 2015, im Zeitalter der "Flütlinge Flutung", sind seine Theorien grundlegend. Aus dem "Jugend-Bauch" leitet er auch den Kriegsindex ab - mehr Kinder ohne Beschäftigung  - mehr Kriegs"lust"!

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Youthbulge (YB) – der demographische "Jugendbauch" einer nationalen Gesellschaft – hat schon immer Terror, Genozid, Krieg und Eroberung bewirkt. Bis heute. Das aktuelle Beispiel: Die Arabischen Aufstände - viel unbeschäftigte Jugend - youthbulge, Aufstände.
Und dann: Palestina versus Israel? Hier die höchste Geburtenrate, ein mächtiger Jugendbauch, gepaart mit wirtschaftlicher Not und religiösem Eiferertum - und Israel, wenig Jugend! Der perfekte Konfliktherd - vorprogrammiert und kaum zu lösen!

Youth bulge – der Sprengsatz für Genozide - oder Migration!

Vier Söhne in einer Familie, nur einer oder höchstens zwei haben eine adäquate Aufgabe und Aufstiegsmöglichkeit in der Gesellschaft. Die anderen suchen sich ihre Aufgabe im Terror. Der wird also noch lange anhalten, denn die Geburtenrate bei den Palästinensern ist hoch, bei den Israelis niedrig. Und die Religion muß oftmals als vorgeschobener Grund herhalten für den Haß, den Terror, ja sogar für Genozide.

Kritische Fragen

Warum nicht YB verhindern? Wodurch? Klar, durch Bildung, Aufklärung Gleichberechtigung der Frauen, Steuerung und Verhütung der Geburten. Und warum wird es nicht gemacht? Antwort: Die Wirtschaftsform der betroffenen Länder leistet das nicht. Die Eigentumsstruktur ist zentralisiert. Es gibt zu wenig Arbeitsplätze, zu wenig Einkommen und Steueraufkommen der breiten Masse. Der Staat leistet nicht!

Es kann keine Rente erwirtschaftet werden. Vorsorge fürs Alter (also Rente) gibt es nicht. Warum leistet das System das nicht? Die Grundvoraussetzungen für eine leistungsstarke Wirtschaft sind den herrschenden Machtträgern (nicht immer M-Eliten) nicht erkannt und bekannt. Das vorhandene Eigentum als Basis für das Wirtschaften ist weitgehend zentralisiert, konzentriert bei eben diesen Machtträgern dieser Länder. Sie müssen nicht wirtschaften!

Der Prozess der Bildung, Aufklärung, Veränderung bis in die Familien ist ein sehr langfristiger und nicht leistbar, da die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen. Deshalb kommt es zwangsläufig zum YB, gegen den sich die entwickelten Nachbargesellschaften wappnen müssen.

Einwanderung in Europa?

500.000 afrikanische Einwanderer pro Jahr allein in Deutschland braucht es, sagt Herr Heinsohn und so tönt es auch in der Politik. Sie fürchten zurückgehende Bevölkerung in D. Warum? Weil sie dem Wachstum verhaftet sind. Die simple Wahrheit aber - solche Zuwanderung ist vollkommen unmöglich! Keine Integration, keine Arbeitsplätze, riesige Belastung der Sozialsysteme.

Warum nicht die Geburtenrate bei uns einfach erhöhen? Frauen und Männer gleichberechtigt im Erwerbsleben verhindern das bei uns. Die Jahrzehnte lange neoliberale Politik – exportorientiert, globalisierungsgläubig – mit zunehmender Armut (schon bis in die Hälfte der Bevölkerung), der Abbau der Mittelschichten, eine hauchdünne Schicht Superreicher – kurz: Ungleiche Vermögen und Einkommensverteilung! Vor allem: Männliche Junge Erwerbstätige sind nicht mehr in der Lage, eine Familie zu ernähren. Beide, Männer und Frauen sind berufstätig, so kommt es bestenfalls zu einem Kind.

Der Bremer Genozidforscher Gunnar Heinsohn hat in dem „Youth Bulge“ (der „Bauch“ der Jugendlichen (Alter 15 bis 25 Jahre) im „Bevölkerungsbaum“ eines Landes) die Ursache für Bevölkerungsmord, für Terror und Gewalt verortet. Der zweite und jeder nachgeborene Sohn in einer Familie sieht keine Aufstiegschancen in der Gesellschaft. Diese Söhne kommen sich nutzlos vor. In der Migration (gerne in die EU!) und in der Gewalt sehen sie Auswege. Liegt der Anteil über 30%, gibt es Krach, innerhalb oder außerhalb des Landes. Israel und Palästina sind ein aktuelles Beispiel.

Die Industrienationen haben niedrige Geburtenraten, unterentwickelte, islamische und afrikanische Staaten durchweg hohe. Warum? Für Deutschland kennen wir die Antwort: Frauen im Erwerbsleben, Gleichberechtigung, Geburtenkontrolle und Verhütung. Später dann aber auch Stress, zunehmend unsichere Arbeitsplätze, zu wenig Einkommen bei den jungen Männern für den Unterhalt einer Familie.

Und warum gibt es die hohen Geburtenraten: Schwache Wirtschaft, keine Alterssicherung und Patriarchat (dafür viele Söhne!), keine Krankenversicherung (Verhütung), wenig Bildung bei Frauen. Die eisige Korrelation „viele Söhne“ und Terror wird nicht gesehen.

Die "Währung" für unruhige Jugend: Kinder unter 15 Jahren (2003) als Anteil an der Bevölkerung (in %) und dann natürlich die Gesamtbevölkerung als Basis für "Konfliktmaterial":

  • die EU - D, F, Gb, It, ES - alle so um die 15% (die wenigsten Nachkommen!)
  • Russland 16%, Japan 14%
  • USA 21%, (etwas höher, immer noch mit Zuwanderung), aber gegenüber "ihren" Konfliktstaaten" wenig
    • Afrika so um die 42 - 50%; ihr Zielgebiet als "Wanderer": Die EU!
    • Nahost 35-42%, Israel dagegen 24%; höchst gefährlich!
    • China 24%, Indien 33% , Pakistan 40%, Afghanistan 42% (alle mit größten Menschenmassen!)

Die Wirtschaftsmächste EU, Ru und Japan, nicht sehr konfliktfreudig. Die USA stehen mit wenigen Söhnen vielen potentiellen "Feinden" gegenüber.

Klar ist Bevölkerungsstruktur nicht der einzige Grund für Konflikte. Knappe Resourcen (Gas und Öl, demnächst Wasser), natürlich Geld und diverse werthaltige Assets, imperiale und andere Vormachtsgelüste (Weltherrschaftsgelüste) und diverse Gründe mehr können Ursachen für Konflekte sein -  aber der Youth Bulge sollte immer mit beachtet werden.


 * Söhne und Weltmacht, Terror im Aufstieg und Fall der Nationen, Gunnar Heinsohn
   erschienen 2003 Orell Füssli Verlag AG, Zürich

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